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Eine kurze Geschichte des InternetObwohl das Internet heutzutage ein solch einflussreiches Medium ist, ist die Geschichte des Internets wenig erforscht. Zwar gibt es viele Erzählungen und Legenden, die sich um den Ursprung des Internets ranken, doch eine systematische Forschung zu diesem Bereich ist bisher kaum erfolgt. Der Legende nach erhob Mitte der 60er Jahre das US-Verteidigungsministerium die Forderung, die elektronischen Kommunikationswege des Militärs gegen die Folgen von Atomschlägen zu sichern. Im Falle der Zerstörung der Verbindung zwischen vernetzten Computern sollte der Datenfluss davon nicht betroffen sein. Computerfachleute sollen darauf eine Software entwickelt haben, die die Daten in viele kleine Pakete verwandelt (Protokoll). Doch ist dies eine sehr starke Vereinfachung der tatsächlichen Entwicklung wie nicht nur anlässlich der offiziellen Feiern zum dreißigsten Geburtstag am 2. September 1999 an der UCLA deutlich wurde. Es gab mehrere Entwicklungsstränge, die ab 1969 im ARPANET und dann später in dem was wir als Internet kennen zusammenfanden. Die erste Entwicklungslinie beginnt mit der Idee eines Elektroingenieurs der Rand Corporation Paul Baran, der zu Beginn der 60er Jahre im Hinblick auf einen Atomkrieg ein Konzept für eine redundant ausgelegte dezentrale Netzwerktopologie und ein paketorientiertes Übertragungsverfahren entwickelte. Doch seine bahnbrechende Arbeit, die 1964 veröffentlicht wurde, fand weder bei seinen Vorgesetzten noch bei den US-Militärs, der US-Regierung oder dem Telekommunikationsmonopolisten AT&T Interesse, so dass der angedachte Aufbau eines solchen Netzwerkes niemals umgesetzt wurde. Unabhängig davon und ohne Kenntniss der Arbeiten Barans entwickelte etwa zur gleichen Zeit in London am British National Physical Laboratory der Mathematiker Donald Davies ein gleichartiges Übertragungsverfahren. Seine Motivation bestand darin die wenigen in Großbritannien verfügbaren Computerressourcen möglichst vielen Wissenschaftlern zugänglich zu machen, aber ebenso wie Baran am Widerstand der staatlichen GPO. Grundlegende Idee beider Verfahren ist es die Daten in gleichgroße Pakete zu zerlegen, danach wird jedes Paket nummeriert, mit Absender und Empfangsadresse versehen und dann auf den Weg von einem Computer zum anderen geschickt. Stoßen nun einige dieser Pakete auf ein Hindernis, z.B. auf eine zerstörte Leitung, erfolgt sofort eine Rückmeidung an den absendenden Computer, und dieser verschickt die Pakete automatisch über einen anderen Weg, also über einen oder mehrere andere der vernetzten Computer. Es ist auch möglich, dass ein Teil der Pakete den einen, der andere Teil einen anderen Weg nimmt. Im Zielcomputer werden die Pakete anhand ihrer Nummerierung wieder zusammengesetzt. Fehlen dabei Päckchen, so erfolgt eine Rückmeldung an den absendenden Computer, und dieser schickt die fehlenden Teile erneut. Die entscheidende Entwicklungslinie begann im Jahre 1966, als sich die amerikanische Advance Research Projects Agency (ARPA) aus vielerlei Gründen, darunter sowohl finanzielle sowie forschungsbezogene aber natürlich auch weitergehende, daran machte, bemühte ein Netzwerk zu schaffen, das die Computer der wichtigsten amerikanischen Universitäten und Forschungsinstitutionen verbinden sollte, um Synergie-Effekte zu nutzen statt das eigene Budget ständig mit der Beschaffung eigener leistungsfähigerer Hardware zu belasten. Zu diesem Zweck stellte ARPA im Jahre 1966 den Computerwissenschaftler Larry Roberts ein. Dieser lernte auf einem Kongress im Jahre 1967 die Arbeiten von Davies kennen und erfuhr durch diesen später auch von den Ideen Barans, so dass bald darauf ein Netzwerk aufgebaut werden konnte. Am 2. September 1969 nahm das von Roberts auf der Basis der Technologien von Davies und Baran entwickelte ARPANET seinen Betrieb auf mit zunächst nur einem einzigen Knoten an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Im Oktober 1969 folgte der zweite Knoten, im Dezember bestand das ARPANET schließlich aus vier Computern. Schon bald schlossen sich weitere Computer, vor allem aus wissenschaftlichen Einrichtungen, dem ARPANET an. 1973 wurden die ersten internationalen Verbindungen nach England und Norwegen hergestellt. Seit Ende der 70er-Jahre entstanden daneben im Forschungssektor, aber auch im kommerziellen Bereich zahlreiche unabhängige Netzwerke. Der Grund dafür war, dass das ARPANET inzwischen technisch überholt war und durch neuere Techniken ersetzt wurde. In der Folge wurden überall auf der Welt neue Netzwerke geschaffen. Doch nutzen diese teilweise andere Protokolle und abgewandelte Verfahren zur Übertragung, so dass bald der Wunsch entstand diese Netzwerke miteinander zu verbinden. Aus diesem Grund wurde ein Team unter Leitung von Vinton Cerf beauftragt ein solches Protokoll zu entwickeln. Dies gelang nach einigen Fehlschlägen in den späten 1970iger Jahren mit dem TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Dieses wurde zum 1. Januar 1983 als Standardprotokoll offiziell eingeführt. Es ermöglichte die Verknüpfung der bisher isolierten Teilnetze und damit die Schaffung eines Netzwerk der Netzwerke ("inter"net). Computer, die bis dahin nicht miteinander kommunizieren konnten, weil sie mit verschiedenen Systemen arbeiteten, konnten jetzt miteinander verbunden werden, wobei die Übertragungssicherheit des ARPANET übernommen und stark verbessert wurde. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des Internet. Zugleich begannen neue Netzwerke wie das NFSNet das alte ARPANET abzulösen, welches dann auch 1989 abgeschaltet wurde. Doch erst Anfang der 90er Jahre begann die geradezu explosionsartige Ausbreitung des Netzes, die dann auch den heimischen PC erreichte. Ursache dafür war die Entwicklung des World Wide Web (WWW, W3 oder einfach Web genannt) durch Tim Berners-Lee am Kernforschungszentrum in Genf (CERN) im März 1991. Das WWW ermöglicht es zum einen, per Mausklick und ohne Kenntnis spezieller Computersprachen, Texte aus dem Internet auf den eigenen Bildschirm zu holen. Die Hypertext-Technik (HTML: HyperText Markup Language) ermöglicht es weiterhin, per Mausklick auf Verweise (z. B. andere Texte bzw. Dateien, die auf weit entfernten Computern gespeichert sind) diese unmittelbar anzuwählen und auf den Bildschirm zu holen. Und schließlich lassen sich über das WWW nicht nur Text, Bild und Musik darstellen, so dass das Internet multimediafähig wird sondern es lassen sich benutzerfreundliche Oberfläche auch die wichtigsten anderen Dienste des Internet ansteuern. Dank des Web wandten sich immer mehr private Anwender dem Internet zu; und natürlich drängten kommerzielle Unternehmen rasch in dieses Medium, in dem sie (unter anderem) ein ideales Werbeforum sahen. Ende 1996 waren etwa vier Millionen Rechner ständig miteinander verbunden. Dazu kommen noch etwa zehnmal so viele Rechner, die nur zeitweise mit dem Netz verbunden sind. Das sind vor allem die PCs, die in der Regel von privaten Anwendern genutzt werden. Die rasende Zunahme der Nutzung sieht man deutlich an diesen Zahlen: Ende 1993 sind 2 Millionen WWW-Server oder Hosts im Internet zusammengeschlossen. Weiterführende Links:Eine sehr gute Einführung in die Geschichte des Computers und der Kommunikation bietet das Heinz Nixdorf MuseumsForum. Eine sehr gute, umfassende und exzellent bebilderte Darstellung zur Geschichte des Internet findet man auf den Seiten des Computer Museum History Center. Eine kurzgefasste, englischsprachige Übersicht zur Geschichte des Internet mit laufender Aktualisierung und die schon legendäre "Hobbes' Internet Timeline": von den ersten Anfängen bis heute - findet man unter http://www.isoc.org/internet/history/. Wenn man eine leere eMail an timeline@hobbes.mitre.org (ohne Betreff, ohne jede Eintragung im Textkörper) sendet, erhält man die "Timeline" als ASCII-Text. An Atlas of Cyberspaces des University College London veranschaulicht mit vielen interessanten Graphiken die Topographie des Internet. Die Geschichte des World Wide Web wird sehr bildhaft und mit vielen Details auf einer offiziellen Homepage des W3C dargestellt. Weiterführende Literatur:Haffner, Katie / Lyon, Matthew: ARPA KADABRA oder Die Geschichte des Internets, Heidelberg, 2000. Neumann, Helmut: Das Lexikon der Internetpioniere, Berlin, 2002. |
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